So, Gareth, wieso sind du und deine Frau Taryn von Südafrika nach Deutschland gezogen? War es einfach eine Idee, die ihr eines Tages hattet?

Nein, auf keinen Fall. Unsere Geschichte fühlt sich viel eher wie eine Abenteuergeschichte an, die von Gott geschrieben wurde. Es ist etwas, was wir uns niemals hätten selbst ausdenken können. Und es passierte keinesfalls über Nacht. Gott führte uns durch einen Prozess. 

Wie kam dir die Idee, eine Gemeinde in Deutschland zu gründen?

Zusammen mit meiner Frau Taryn war ich für viele Jahre der Pastor einer Gemeinde (His People) in einer kleinen Stadt namens Grahamstown. Im Jahre 1997 fühlten wir dann zum ersten Mal, dass Gott uns vielleicht nach Deutschland führen möchte, um eine Gemeinde zu gründen. Immer, wenn ich für verschiedene Länder der Welt betete, fühlte ich, dass ich besonders für Deutschland beten sollte. Indem ich dies tat, wuchs das Land mir ans Herz. Ich konnte nichts dagegen machen, dass ich mich nach Deutschland gezogen fühlte und empfand, dass es dort etwas ganz besonderes geben würde. 

Du hast erwähnt, dass du und Taryn immer wieder Bestätigungen von Gott bekommen habt, dass Er euch nach Deutschland senden will. Kannst du dies erklären?

In Psalm 25,12 heißt es: „Wie steht es mit dem Menschen, der in Ehrfurcht vor dem Herrn lebt? Ihn lässt der Herr den Weg erkennen, den er wählen soll.“ Wenn wir nach Gottes Willen für unser Leben suchen, wird Er treu darin sein, uns Seinen Willen auf verschiedene Arten zu zeigen.

Bei uns war es so, dass wir bereits empfunden hatten, dass Gott uns nach Deutschland senden möchte, bevor Er mehrere Menschen in einem Zeitraum von 6 Jahren zu uns brachte, um das zu bestätigen, was Gott zuvor durch Prophetien (wenn eine Person hört, was Gott zu einer Person oder Gemeinde sagen möchte, und diese das daraufhin der Person oder der Gemeinde mitteilt) zu uns gesprochen hatte.

Im Jahre 1998 las ich eine Prophetie von einem sehr bekannten Propheten, Jim Laffoon, an die His People Gemeinde in Kapstadt. In der Prophetie hieß es: „Es liegt ein Ruf auf His People, die Länder der Reformation zu reformieren.” Dann sagte er weiter: „Denn Ich rufe dich... in Gebiete der Welt, über die viele gesagt haben 'Wir haben die ganze Nacht gefischt und nichts gefangen; wir haben Jahr für Jahr gearbeitet und nichts geerntet' ... denn Ich werde wie eine Flamme in Deutschland brennen...“ (für die gesamte Prophetie, klicke hier).

Dann im Jahre 2002 empfingen wir von einer Prophetin, Val McLelland, die uns besuchte, eine direkte Prophetie, in der es hieß: „Sohn, im richtigen Moment und zur richtigen Zeit werde Ich Europa für dich öffnen. ... INNERHALB DER NÄCHSTEN 6 JAHRE WERDE ICH DICH SCHICKEN, UM EINE ANDERE GEMEINDE IM RICHTIGEN MOMENT ZU GRÜNDEN. ... Ich werde dich sehr stark in der DEUTSCHEN KULTUR verwenden.“ (für die gesamte Prophetie, klicke hier).

Das hört sich sehr kraftvoll an. Gab es ganz besondere Zeitpunkte, in denen Gott direkt zu dir darüber gesprochen hat, nach Deutschland zu ziehen?

Ja. Am Tag, nachdem wir die Prophetie von Val McLelland bekommen hatten, betete ich für Deutschland. Währenddessen blickte ich auf ein TIME Magazin, das ich gerade geschickt bekommen hatte. Auf dem Cover hieß es: Deutschlands Schulmassaker.

Ich empfand, dass ich es lesen sollte. Ich öffnete es und las einen Artikel über einen Schüler in Erfurt, Deutschland, der an seiner Schule Amok gelaufen war. Die erste Sache, die mir ins Auge fiel, war ein Bild mit einem riesigen Banner, das aus einem Fenster der Schule hing, auf dem in großen Buchstaben „Hilfe“ stand. 

Als ich dies sah, empfand ich es, als ob die Jugend Deutschlands einen Hilferuf aussenden würde, und dass Gott mich aufforderte, auf diesen Ruf zu antworten. An diesem Tag wusste ich, dass wir nach Deutschland ziehen sollten. 

Warst du jemals zuvor in Deutschland, bevor ihr hierher gezogen seid?

Ja, ich war zweimal kurz da, im Jahr 2004 und 2006. Während meiner Berlinreise im Jahre 2006 fand zufällig eine große Gebets- und Anbetungsveranstaltung namens „Calling All Nations“ im Olympiastadion statt. Ich entschloss spontan zu dieser Veranstaltung zu gehen und während ich da war, passierte etwas Interessantes.

Der Organisator des Events, Noel Richards, erzählte, dass Adolf Hitler für die Olympischen Spiele in Berlin 1936 eine riesige, bronzene Glocke hatte anfertigen lassen. Auf ihr ließ er neben einem Hakenkreuz ‚Ich rufe die Jugend der Welt' eingravieren. Während dem Zweiten Weltkrieg wurde der Standort der Glocke beschossen, sodass sie zu Boden fiel und das Hakenkreuz gespaltet wurde. Die Glocke befindet sich nun auf dem Boden vor dem Olympiastadion.

Gleich nach der Veranstaltung versuchte ich einen Freund zu finden, den ich im Jahr 2004 während meiner ersten Reise kennen gelernt hatte. Seit damals hatten wir keinen Kontakt mehr gehabt. Jedoch wusste ich, dass er auch auf der Veranstaltung war, es jedoch eher unwahrscheinlich wäre, ihn angesichts der 20000 Besucher zu sehen.

Doch wir fanden uns, und zwar genau neben der Glocke, die die Jugend der Welt zusammenruft!

Was war der Grund, dass du und Taryn nach Berlin kamt?

Zuerst wollten wir uns zwischen München und Berlin entscheiden. Nach vielen Gebeten fühlten wir dann, dass Berlin aus verschiedenen praktischen Gründen die strategischste Entscheidung wäre. Berlin ist geistlich offener, hat großen nationalen und internationalen Einfluss, ist für Nicht-Deutsche offener, und ist generell günstiger. Auch hatten wir bereits Kontakte in Berlin. Gleichzeitig rieten uns all unsere Ratgeber, nach Berlin zu gehen. 

Darüberhinaus fühlte Taryn prophetisch, dass Berlin richtig sei. Und, während ich darüber betete, in welche Stadt wir ziehen sollten, kamen zwei Mädchen mit deutschen Vorfahren mit einem Eindruck von Gott zu mir. Eine der zwei sagte: „Mir kommt immer wieder Berlin in den Sinn.“  

Wann genau seid ihr nach Berlin gezogen?

Innerhalb von 6 Jahren, das prophetische Wort von Val McLelland bestätigend, kamen wir am 12. Dezember 2007 in Berlin an.

Zuvor mussten wir viel Zeit für den Umzug aufwenden. Ich übergab die Leiterschaft der His People Gemeinde in Grahamstown. Wir bauten ein Team von jungen Menschen, die alle fühlten, dass sie an dem Abenteuer in Deutschland mit uns teilnehmen mochten. Wir waren bereit zu gehen!

An einem kalten Wintermorgen, kurz vor Weihnachten, wurde aus Gottes Ruf auf unserem Leben Wirklichkeit. Meine schwangere Frau, mein Sohn Joseph, meine Tochter Jenna und ich kamen in Berlin an, um ein neues Leben zu beginnen.

Kurz darauf kamen auch die Anderen unseres 15-köpfigen Teams, nachdem sie Arbeit fanden und Visas bekamen. Somit waren wir in der Lage, den Prozess einer Gemeindegründung in dieser Stadt zu starten.